Ästhetik des Spektakels? Das
drückt eine Leseerfahrung aus, die sich mit unseren
Beobachtungen deckt. Einer beeindruckenden Programmierung
(mit Einschränkung)
und raffinierten Bildern sowohl als Graphiken wie aus Worten
steht ein Text gegenüber, der sich nicht richtig
anbinden lässt. Wir hatten die technizistische
Aufrüstung, die vagen Verlautbarungen als Manierismus
moniert, der den Zugang zum Text
verbaut. Hatten wir eingangs am
Beispiel der Wort-Image-Input-Interaktion zum Fragezeichens
betont, dass dieses Werk nicht der üblichen Dramaturgie
des Spektakels folgt (siehe
dort), so sind wir
diesbezüglich inzwischen unsicherer geworden.
Wenn ein Leser im Webring
schreibt: "alleine der umgang schrift und typographie! ich brauche gar nicht mehr zu lesen! wie sich woerter ineinanderschieben und kreisen und erscheinen und verschwinden und und und und und!" Die
Ästhetik des Spektakels liegt natürlich in der
zugrundeliegenden Technologie selbst. Diese Technologie
zielt auf die digitale Spielform der konkreten Posie und hat
im Eingangsbeispiel des visualisierten Fragezeichens seine
vierfache Syntax durchaus eindrucksvoll entfaltet
(vgl.
ausführlich).
Die folgenden Beispiele waren schon weniger
überzeugend, sie zielten eher auf eine Illustration
bzw. Performanz des Gesagten (vgl.
dort). Aber das Werk
scheitert weniger an seinen Effekten als an seinen Worten.
Das Problem ist die mangelhafte Arbeit am Text selbst. Neben
kleineren Auffälligkeiten (kuriose Brüche in der
Stimmlage, stilistisch wie grammatikalisch problematische
Sätze, Unsicherheiten in der Kommasetzung) ist es die
ruppige Hermetik generell, die den Zugang über das Wort
erschwert und somit den technischen Effekten das Feld
überlässt. Der Grund dafür liegt
letztlich in der Entstehungsgeschichte der Texte. Der Autor
bemerkt dazu: "Die Epos-Texte haben zwar
keinen roten Faden, aber sie haben doch sozusagen alle eine
rote Mütze auf, sie hängen über ihr Thema
zusammen", so Schreiber weiter: "kein Fadenknäuel,
sondern eher ein Container Altpapier. Kommissar Leser,
übernehmen sie!" Das genau ist der Punkt: Wer
mag in zerknitterten, vergilbten Zetteln wühlen! Wir
stehen vor dem gleichen Problem wie beim Lesen von
Hypertexten, nur ist dort die 'Präsentation der
Unordnung' weniger unterhaltsam. Die Intention des Autors
geht, wie Nachfragen bestätigen, freilich weit
über das Spektakel hinaus. Man kann sich flott durch
die einzelnen Szenarien klicken und sich am allgemeinen
Firlefanz erfreuen. Wer aber wirklich beginnt das
Korallenriff zu untersuchen, sich an die Textzeilen
heftet und mit ihnen durch die Geschichte taucht,
Verknüpfungen aufstöbert und mit interessierter
Geduld den Mauszeiger nutzt, um sich die Zeilen
hervorzuholen (und was ihn sonst noch erwartet), der wird
erst das eigentliche Spektakel erleben, das Spektakel in
seinem eigenen Kopf, wie es sich für eine Geschichte
gehört." Das bezeugt gute Absichten
und auch eine ausreichende Portion an Selbstgewissheit.
"Kommissar Leser, übernehmen sie!" Wie schwer die
detektivische Arbeit fällt, wurde hier nicht
verheimlicht. Es bleibt die Frage, inwiefern das Werk zum
Tauchgang in die Tiefe ermuntert, welche Geduld der Autor
von seinen Lesern diesbezüglich erwarten kann und was
er unternommen hat, um diese Geduld erwarten zu
dürfen. Dass das Verhältnis von
Text und Effekt ganz anders aussehen kann, weiß man.
Es gibt Beispiele genug, die ihren Leser nicht einmal ein
Jenseits der Brandung suggerieren, in das man sich, auf der
Suche nach dem tieferen Sinn, begeben könnte. Diese
Sprösslinge der Flash-Ästhetik überlassen dem
Spektakel von vornherein das Feld, wie etwa Demgegenüber strotzt
Das Epos der Maschine von Ausdruckswillen.
Bleiben die Texte auch insgesamt eher unzugänglich, so
wird ihnen doch eine Funktion als Text zugestanden.
In Lumicon ist diese Absicht nicht mehr zu erkennen
und wie |