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Der
Wunsch, den Lesern Anhaltspunkte zu geben, an denen sie sich
auch später, wenn sie sich in der Geschichte verlaufen
haben, orientieren können, ist freilich
nachvollziehbar. Aber einerseits ist zu fragen, wie sehr man sich diese Gegenbewegung zur vagabundierenden oder
flanierenden Lektüre als Prinzip der Hyperfiction wünschen soll. Zum anderen ist zu fragen, wie hilfreich die
gewählte Orientierungsform im vorliegenden Falle
eigentlich ist, da man durch die kapitel- und
sektionenüberschreitenden Links doch ohnehin
schließlich nach einer Textgruppe suchen mag, die auf der
Menuleiste, von der man startete und die durch das
Frameset-Modell stehenblieb, gar nicht verzeichnet ist.
Ein anderer Sinn der
Rubrizierung läge darin, dem Leser anzuzeigen, wie
viele Einheiten auf ihn warten und wie viele er davon schon
besucht hat (besuchte Links sind entsprechend markiert).
Aber dazu braucht es freilich nicht den betriebenen Aufwand.
Einige namenlose Zeichen, vielleicht als Teile einer
ASCII-Grafik, hätten als Links ebenso gut fungieren
und, nach dem Besuch, ihre Farbe entsprechend ändern
oder ganz verschwinden können. Eine etwas elegantere
Lösung, die ihren Zweck erfüllt, ohne die
erwähnten fragwürdigen Anleihen beim Buch zu
machen.
Die tiefere Logik der
gewählten Erzählstruktur liegt ja - wenn es denn
nicht die Teilnahmebedingung des ELO Award war - darin, dass
das Erinnern selbst in der Form des Hypertextes erfolgt. Sie
liegt darin, dass das eine Stichwort zum anderen führt,
zu zwei, drei anderen zugleich, und man so kreuz und quer
durch einen Vorrat an Gedanken, Empfindungen, Bildern irrt,
die sich immer wieder neu ordnen lassen, vorausgesetzt, man
rekurriert nicht auf das üblichste, banalste und auch
irrtümlichste Ordnungsprinzip: die Zeit.
Hyperfiction-Autoren sind per definitionem verpflichtet,
diesem Prinzip zu misstrauen und den Karton voller Fotos
gegen die nach Jahreszahlen geordneten Fotoalben zu
verteidigen. (Vgl. dazu den radikalen Ansatz in
Things
Spoken von Agnes
Hegedüs, die ihre Erinnerungen nicht nur nach
mehrfachen Ordnungsprinzipien zugänglich macht, sondern
durch Fremdkontextualisierung schließlich auch
dekonstruiert.) Die Rubrizierung, mit der Fisher ihr Erinnern
beginnt, weist da eher in Richtung Fotoalbum, auch wenn
dieses dann erfreulicherweise aus lauter lose eingelegten
Bildern besteht.
Wenn Juror Larry McCaffery
die Meinung vermittelt, dass die multilineare Struktur in
"These Waves of Girls" besser als die kohäsive
Erzählweise der print-bound fiction "evokes not just
the girlhood of a single protagonist but a broader
perspective of girlhood(s)", wünscht man sich freilich
mehr Aufschluss, inwiefern dies der Fall ist und inwiefern
der Hypertext vielleicht die der Wellenmetapher
angemessenste Technologie ist. Wenn er damit meint, dass
eine Leichtigkeit des Dahin-Lesens entsteht, die mit dem
Dahin-Leben bis zum 20. Lebensjahr verglichen werden kann, ist ihm
gewiss zuzustimmen. Ebenso wie übrigens seiner Aussage,
dass die eingesetzten Images den Stoff sinnfälliger
machen: "There is a raw energy and garish intensity to these
visual features that perfectly captures the feel of
childhood and adolescence."
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