www.dichtung-digital.de/2001/06/20-Simanowski

Caitlin Fisher: "These Waves of Girls"

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Bildschirmästhetik

Noch zwei Anmerkungen zum Design, das sich wie gesagt schon auf der ersten Seite positiv von den Textpuristen der ersten Hyperfictiongeneration abhebt, das dann aber doch manchen Anlass zu Enttäuschung gibt.

Schon in der Eröffnungsseite sind Punkte verschenkt, wenn das aufpoppende Textfeld mit den Trailers zu den einzelnen Sektionen sich mit dem Titel der 6. Sektion überschneidet. Auch später klebt der Text meist an den Rändern. Statt des geboteten cellpadding von mindestens 2 wurde einfach 0 belassen. Das gilt auch für die Images, die sich im erwähnten Beispiel links an den Rand drängen, während sie rechts von der schwarzen Umgebung durch einen drei Millimeter breiten weißen Streifen abgesetzt sind.

Dass die Links über ganze Halbsätze und ohne Leerzeichen zum umstehenden Wort gesetzt sind, wurde schon erwähnt. Aber das Linkdesign ist auch aus einem anderen Grund problematisch. Während die vielen Aquarell-Images eine anhaltende Stimmung der Leichtigkeit erzeugen - die mitunter durch Vergrösserung und Verzerrung bis zur Ungegenständlichkeit der reinen Farbkomposition verstärkt wird -, geben die langen Linkunterstreichungen, und alle im klassischen Blau, dem ganzen einen Hauch von Technik, der nicht herpasst und auch nicht als ironischer Bruch beabsichtigt ist. Die farbliche Markierung der Links ohne Unterstrich - zumal in den Menuleisten der einzelnen Sektionen - hätte ihren Zweck ebenso erfüllt und sich besser ins Gesamtbild eingepasst. - Solche Dinge sind einfach ärgerlich wegen ihrer offensichtlichen Unbekümmertheit. Lauter primitive Todsünden des Screendesign, denen an anderer Stelle eine sonderbare Aufmerksamkeit fürs Detail entgegensteht, wenn z.B. im Node zu Marrakesh die Schrift so rot ist wie die Lehmbauten vor Ort. 

Es gibt einige Programmierfehler, wenn z.B. wegen mangelhafter Link-Adressierung das ganze Frameset noch einmal in den zentralen Frame geladen wird (aus Text zu >lefthanded<), oder wenn Anker-Name und Linkadressierung (A=chasing, HREF=vanessa.htm#boychasing) nicht übereinstimmen. Aber das sind keine Unüberlegtheiten, sondern Fehler, die der Komplexität des Werkes geschuldet sind.  

Interessant sind solche Designentscheidungen, Bilder grösser zu halten als den Rahmen, in dem sie angzeigt werden. Die Eröffnung der ersten Sektion - "kissing girls" - führt zu einem solchen Bild, das man erst nicht recht deuten kann, das sich nach dem vertikalen und horizontalen Scrollen aber als zwei Mädchenköpfe zu erkennen gibt, die im impressionistischen Flimmern in einen Kuss versunken sind. Schade nur, dass das Passpartou unten so aus den Maßen gerät. Schade auch, dass, auf der nächsten Site (so wie auf anderen auch), das Hintergrundbild in der Höhe um einige Millimeter kleiner als der Rahmen ist und somit unten unnötigerweise noch einmal ansetzt, wobei schon der Umstand, dass man überhaupt scrollen kann, da doch gar kein Text mehr kommt, zu bemängeln ist. In anderen Sites ist das Patchwork der Images dagegen deutlich Prinzip.

Betrachtet man die hier aufgezählten Aspekte vor dem Hintergrund des durchgehaltenen Konzepts im Bildeinsatz, ist festzuhalten, dass Fishers Werk in seltsamer Unentschlossenheit einen deutlichen Willen zum Design und eine erstaunliche Unbekümmertheit zugleich an den Tag legt.

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