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Genettes Modus der Ordnung
  Traudl Bünger
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Modelle der Überwindung

Die eben skizzierte Divergenz muss eine Kinder- und Jugendliteraturadaption, die ludische und narrative Elemente vereint, zu überwinden suchen. Eine völlige Überwindung käme allerdings der Quadratur des Kreises gleich - es wäre unangemessen, sie zu erwarten. Aber es gibt Versuche der Überwindung, rühmliche und weniger rühmliche, wie ich an einigen Beispielen illustrieren werde.

Ein nahe liegendes Modell, die eben skizzierte Divergenz zwischen Regelspiel und Narration zu überwinden, ist, die Struktur der Kinder- und Jugendliteraturadaption nach der einen oder anderen Seite zu gewichten. So kann Genettes Modus der Ordnung vernachlässigt werden, wenn sich die Adaption ganz der Struktur des Regelspiels verschreibt. Ein Beispiel für diesen Typ ist die Adaption PIPPI (1995), die erste zu dem bekannten Stoff Astrid Lindgrens. Inzwischen hat der Oetinger-Verlag eine weitere Adaption zu Pippi Langstrumpf vorgelegt, um die es aber hier nicht gehen soll. In der älteren Adaption wird eine Ansicht der Villa Kunterbunt wie ein Spielpan eingesetzt, über den sich die Rezipierenden frei bewegen können.



'Spielplan‘ Villa Kunterbunt

Neben der Diele gibt es drei Zimmer, in denen man Animationen auslösen oder Spielangebote wahrnehmen kann. Als weitere sind drei Episoden aus dem Buch „Pippi Langstrumpf“ abrufbar, die in der Form von Cut-Scenes rezipiert werden können. Die Struktur dieser Adaption ist ludisch orientiert, denn die Reihenfolge, in denen Räume aufgesucht und Angebote wahrgenommen werden können, ist nicht festgelegt. Es existiert keine Ordnung im Sinne Genettes.


An dieser Adaption wird deutlich, dass Orientierung am Spiel nicht zwangsläufig bedeutet, dass überhaupt nicht erzählt werden kann. Neben den Spielangeboten stehen Erzählepisoden. Diese stellen jedoch nur ein zusätzliches Angebot, wirken sich folglich nicht strukturbestimmend aus. Scheinbar ist dieses Vorgehen keine schlechte Methode, oben skizziertes Dilemma zu bezwingen. Nur muss garantiert sein, dass die verschiedenen Episoden nicht in einem ihrer ursprünglichen Ordnung gemäßen Zusammenhang stehen. Ihre Aktivierung ist ja – der Regelspielstruktur entsprechend – beliebig. Leider ist diese Bedingung in der Adaption des Lindgren-Stoffes nicht eingehalten. Die einzelnen Episoden stehen sehr wohl in einem Zusammenhang. Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte, auf deren Ebene eine Ordnung im Sinne Genettes vorhanden ist. Da diese Ordnung aber bei der Rezeption nicht eingehalten werden muss, kann es auf dieser Ebene zu Unstimmigkeiten in der Ordnung kommen.

Eine andere Möglichkeit der Auflösung des Dissens‘ zwischen Erzählung und Regelspiel besteht darin, die Adaption strukturell übergewichtig am anderen Pol, dem der Geschichte, auszurichten. Extrembeispiele für dieses Vorgehen sind Titel wie die oben erwähnten, die den Aspekt Spiel völlig marginalisieren. Um diese Gruppe soll es aber wegen ihrer inzwischen geschwundenen Marktpräsenz nicht gehen. Ich möchte vielmehr zeigen, dass auch in der Gruppe der stärker am Spiel ausgerichteten Formen Fälle vorkommen, die sich strukturell an der Buchvorlage anlehnen. Ein solcher ist EINE WOCHE VOLLER SAMSTAGE (1998). [4]


Hier ist, zumindest in der ersten Phase des Spiels, die Divergenz durch eine strikte Orientierung an der Geschichte aufgelöst, weswegen der Modus Ordnung gewährleistet und eingehalten werden kann. Die erste Spielphase ist gänzlich linear aufgebaut. Die Wahlfreiheit des Regelspiels gibt es in dieser Rezeptionsphase nicht. Immer gibt es genau eine Handlungsoption, die wahrgenommen werden muss, damit das Computerspiel weitergeht. Verschiedenartige Spiele wechseln sich in immer gleicher Ordnung ab mit Cut-Scenes, die die erzählenden Inhalte präsentieren. Die Reihenfolge der Episoden kann nicht durcheinander geraten.



Legespiel als Aufgabe am Mittwoch


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