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Die Sprache der neuen Medien lesen und schreiben?
  Heiko Idensen
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Language of NO-Media: post-mediale Ästhetiken

Manovich gelingt somit in der Breite seiner Themen erstmalig eine umfassende reichhaltig von kulturellen Traditionslinien aufgeladene Darstellung sowohl der narrativen als auch der Interface-Paradigmen digitaler Medien.

Eine Theorie, mit der sich gut arbeiten läßt und die vielfache Einstiege und Anknüpfungsmöglichkeiten bietet. [21]

Der hier entwickelte und auf vielfache Beispiele aus verschiedensten Disziplinen angewendete Begriff der ‘neuen Medien’ markiert entscheidende medienhistorische Paradigmenwechsel: den Übergang von der Benutzung des Computers als eines Werkzeugs in den 80er Jahren zum ‘Computer als Medium’ in den 90er Jahren bis hin zu den gegenwärtigen vernetzen Hybridmedien, die unterschiedlichste Gebrauchsweisen provozieren bzw. ermöglichen im Spannungsfeld von User-Manipulation, -Kontrolle und neuen offenen Produktions- und Rezeptionsweisen.

Methodisch betreibt Lev Manovich in Anlehnung an die Netzkritik eine Art ‘digitalen Materialismus’: aus seinen Erfahrungen in der Anwendung diverser Multimedia-Editoren heraus entwickelt er Analysemethoden, die die formalen Konstruktionen der verschiedensten Medienobjekte ebenso berücksichtigen wie die Interaktionsweisen mit den Usern: eine ‘Echtzeit-Theorie’ [22|, eine Ästhetik von Software und Medienobjekten inklusive kritischer Auseinandersetzung mit den digitalen Diskursen, die die Medien umgeben …

Also: das aufgeschlagene Buch immer neben dem Monitor liegen lassen und zwischen den Zeiten des Surfens, Spielens und Arbeitens am Computer immer wieder lesen, Verweisen folgen, weiterdenken …

Eine neue Richtung/ Perspektive in Lev Manovichs Forschungen besteht in Versuchen, sich ganz und gar vom Konzept des Mediums zu lösen zugunsten neuer Konzepte, die eher aus der Computer und Netzkultur herrühren.

Wie die neuen Medien die Subjektivitäten von Usern erweitern, spiegeln, verwerten und verwerfen ... wie in der postmodernen, fast schon ‘nach-medialen’ Informationsgesellschaft Wahrnehmungen, Erfahrungen und Arbeitsvorgänge in hypermedialen Räumen produziert, wie Informationen prozessiert und in realtime kommuniziert werden, wie alle Medien zu ‘sozialer Software’ werden … davon handelt das neue Forschungs- und Publikationsprojekt Lev Manovichs: INFO-AESTHETICS, das im Netz schon in Fragmenten und Entwürfen zu lesen ist, bevor es überhaupt geschrieben worden ist. [23]


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