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Newsletter 3/2002
4.Jg. / Nr. 23 - ISSN 1617-6901
frühere Newsletter

hg. v. Roberto Simanowski (Editorial)

Inhalt Newsletter:
Hypertext-Hyperpoesis-Hyperpoetics / Innis' "Kreuzwege der Kommunikation" / Ergodic Literature / French e-poetry / Hunzikers Projekt-Galerie / Netzliteratur und Vorgeschichte / Rötzers "Digitale Weltentwürfe" / Negropontes "Total Digital" / Biggs "Great Wall of China"Biggs-Interview


Hypertext/Hyperpoesis/Hyperpoetics [Englisch]

Elektronisches Schreiben ist nicht einfach die Elektronisierung des Schreibens auf Papier, denn es hat völlig andere Voraussetzungen. Die 'Formbarkeit' des elektronischen Textes macht ihn zu einem unkontrollierbaren Ereignis, das seinen Lesern und Autoren immer wieder davonläuft. Loss Pequeño Glazier ist auf der Suche nach einem besseren Verständnis web-basierter Hypertexte und fragt, ob die prominenten Theoretiker der Hypertext-Forschung dabei von Hilfe sein können.
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-31-Glazier.htm

Eisenbahn, Ozean und Buch. Harold A. Innis' "Kreuzwege der Kommunikation" [Deutsch]

Mit Büchern zur Geschichte der Kanadischen Pazifik Eisenbahn, dem kanadischen Pelzhandel und der Kabeljaufischerei fing alles an. Seitdem gab es eine Medienkritik der besonderen Art. Nicht das Gejammer der Aufklärer, dass die Leserevolution eher zur Erfindung des Räuberromans als zur Lektüre moralischer Schriften geführt hatte, auch nicht die Unkenrufe der Kinokritiker über die Schädigung des gesunden Volksempfindens. Diese Medienkritk war anders in doppelter Weise: Sie schloss die Transportmedien in die Kommunikationstechnologie ein und analysierte diese ohne moralphilosophischen Gestus. Der die Bücher schrieb, heißt Harold A. Innis, lebte von 1894-1952, war Professor an der Universität Toronto und Lehrer von Marshall McLuhan.
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-29-Simanowski.htm

Explorations of Ergodic Literature [Englisch]

Shuen-shing Lees' Artikel konzentriert sich auf zwei Aspekte, die zunehmend Aufmerksamkeit im Kontext des elektronischen Schreibens erfahren: 1. Die Verwandlung des Interface vom bloßen Navigationsmittel zu einem suggestiven, metaphorisch aufgeladenen Element, 2. die Integration von Hypermedia und Formen des Spiels in Hypertext-Szenarien. Lees Fokus liegt u.a. auf der poetischen Wahrnehmung digitaler Textualität.
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-26-Lee.htm

French e-poetry. A short/long story [Englisch]

"1964 wurde das erste elektronische Gedicht vom frz.-kanadischen Ingenieur Jean Baudot geschrieben... 1975 fand die erste Ausstellung automatisch produzierter Gedichte in Brüssel statt... 1985 wurde das Publikum auf der Ausstellung "Immatériaux" im Centre de Georges Pompidou eingeladen, computergenerierte Gedichte zu erstellen... 1994 trafen wir einige Mitglieder der ALAMO-Gruppe während der ersten Konferenz für e-Literatur in Paris. Ich war überrascht von ihrer Ablehnung computerbasierter Lyrik, als könne nichts neues mehr getan werden. Es gab offensichtlich einen Graben zwischen Autoren, die den Computer als reines Werkzeug ansahen, und jenen, die ihn als autonomes Medium betrachteten." - Patrick-Henri Burgaud erzählt die Geschichte der elektronischen Poesie in Frankreich.
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-25-Burgaud.htm

Esther Hunzikers Projekt-Galerie "un focus" [Deutsch]

Esther Hunzikers Projekt un focus ist eine Galerie der Experimente mit digitaler Rhetorik. Vom Schiffsbruch, bei dem sich der Zuschauer selbst im Boot befindet, über das hingehalten-entrissene Bild der Kämpfenden und der Liebenden bis zu den Mouseover-Sound-Effekten, die einen nicht in Panik versetzen sollen. Am Anfang aber steht das Palimpsest, das nicht vergisst.
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-10-Simanowski.htm

Auf Spurensuche. Literatur im Netz, Netzliteratur und ihre Vorgeschichte(n) [Deutsch]

Peter Gendolla und Jörgen Schäfer relativieren mit Blick auf Queneaus Sonettenkombination und die Poetikmaschinen des Barock die "medienätiologische Perspektive", die sich auf die apparativen Dispositive konzentriert und die Tradition der klassischen Avantgarde als Bezugsfeld rechnergestützter Literatur ausblendet. Gleichwohl erhält die permutative Dichtung mit der digitalen Technologie freilich neue Impulse, wobei die Textgeneratoren die klassischen Autor-/Leserpositionen nicht mehr nur relativieren, sondern gründlich in Frage stellen: "das Zählen mit einer Zufallszahl tritt an die Stelle des Erzählens"
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-08-Gendolla-Schaefer.htm

sexy ist kurz, bunt und schnell. Florian Rötzers "Digitale Weltentwürfe" [Deutsch]

Der Cyberspace ist der "technischen Avantgarde der Mediennutzer" was den europamüden Auswanderern einst Amerika und was den bürgerkriegsmüden Amerikanern einst der Wilde Westen war: Fluchtpunkt der Sehnsucht, Ort verschiedenster Utopien. Aber dieses Eldorado ist nicht mehr, was es kaum war: Die Anarchie weicht der Ordnung der Portale, die viel beschworene Interaktion führt nicht zur Befreiung des Lesers/Zuschauers, die Utopie der Demokratie im Cyberspace erweist sich als Rückzug des Individuums aus der Öffentlichkeit...
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-08-Simanowski.htm

Die Visionen über das 21. Jahrhundert in Nicholas Negropontes "Total Digital" [Deutsch]

In der Welt der Atome gibt es Bücher, CDs, Videokassetten, Zeitungen - Dinge, die man anfassen kann, die ein Gewicht haben, manchmal zurückgebracht und fast immer bezahlt werden müssen. In der Welt der Bits sind die Produkte körperlos, manipulierbar, transformierbar, intelligent und auf den konkreten Kunden zugeschnitten. Wie die Zukunft aussehen wird, erklärt der Prophet der 'digitalen Revolution' Niklas Negropontes.
http://www.dichtung-digital.com/2002/05-07-Simanowski.htm

Mauerbau und Babelturm in Simon Biggs' "Great Wall of China" [Deutsch]

Die Wörter aus Kafkas unvollendeter Erzählung "Beim Bau der Chinesischen Mauer" bilden die Database, aus der Biggs Text-Maschine syntaktisch richtige und semantisch unsinnige Sätze erzeugt. Der User ist darin verwickelt, denn nur sein Input stößt die Maschine an. Aber was soll man damit? Zum Beispiel den Spuren nachgehen, die Kafka und Biggs gelegt haben: Der Bote, dessen Message nie ankommt, dessen Ausbleiben aber allgemein bekannt ist. Der Babeltum, der dem Mauerbau folgen sollte. Der unendliche Signifikationsprozess, die Lektüre als autobiographischer Akt und die Rückkehr der Gesellschaft ins Subjekt...
http:// www.dichtung-digital.com/2002/04-20-Simanowski.htm

Technology, Aura, and the Self in New Media Art. Interview with Simon Biggs [Englisch]

Biggs' Arbeit konzentriert sich auf interaktive Installation, Animation, CD-Rom und Internet. Er publizierte zudem zahlreiche Essays über Media-Art. Unter seinen digitalenKunstwerken befinden sich "The Great Wall of China", "Mozaic" und "Babel". Roberto Simanowski sprach mit ihm über new media art, über technologische Konzepte, über die 'Falle der Interaktivität', Aura und symbolisches Kapital in Kunstwerken, die Signatur der Autors in "The Great Wall of China" und über die Illusionen des Selbst in "Babel."
http://www.dichtung-digital.com/2002/04-20-Biggs.htm


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