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Newsletter 5/2002
4.Jg. / Nr. 25 - ISSN 1617-6901
frühere Newsletter

hg. v. Roberto Simanowski (Editorial)

Inhalt Newsletter:
Schwatzhafter Schriftverkehr / Von der Liebe zum Medium / Lei/iebesübungen / Leiden Werthers / liebe@netzliteratur / 160 Zeichen Liebe / Beziehungskisten in Online-Spielen / kahuna MUD / Schneller BaggernKnistern zwischen den Zeilen / surf>sample>love / Schwimmmeisterin / Scroll-Back


Modemfieber. Der Liebesdiskurs in Mail-, SMS, Chat- und MUD-Kommunikation
Im Anschluss an das Symposium
Internet und Literatur (21.-24.1.1999) und InterSzene (14.-16. 7. 2000) trafen sich zum dritten Mal Beobachter und Praktiker der Netzkultur aus der Schweiz und Deutschland in L&arc Romainmôtier. Das Symposium Modemfieber stand im Zeichen der Beziehung zwischen Liebesdiskurs und digitalen Medien. Die Teilnehmer stellten Projekte mit, im und aus dem Internet vor, diskutierten Fragen der Authentizität, Körperlichkeit und Funktionalität des Liebesdiskurses in Buch, Internet und Handy. Der Septmeber-Newsletter präsentiert die Beiträge und Diskussionen der vom Migros Kulturprozent getragenen Veranstaltung.

Schwatzhafter Schriftverkehr. Chatten in den Zeiten des Modemfiebers [Deutsch]

Uwe Wirth untersucht die kommunikativen Konsequenzen, die aus dem Umstand folgen, dass elektronische Medien über soziale und räumliche Distanzen hinweg fremde Menschen "in Kontakt" bringen. Das "written to the moment", durch den etwa die Briefromanpoetik des 18. Jahrhunderts ausgezeichnet war, wird dabei zur kommunikativen Erwartung des "transmitting to the moment". Die Erwartung des Eintreffens neuer Nachrichten löst ein "Modemfieber" aus.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/wirth.htm

Von der Liebe zum Medium [Deutsch]

Ulrike Landfester dokumentiert im Rückblick auf Briefroman und historischen Liebesbrief die Konsens-Halluzination und die Spannung zwischen authentischem und strategischem Ausdruck. Der Cyberspace verändert die Parameter der medial vermittelten Liebeskommunikation, indem er ihm neue Inszenierungstechniken - wie das gender-switching - erschließt.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/landfester.htm

LEi/iEBESÜBUNGEN - ein SMS/Internet-Projekt [Deutsch]

Für das Internet-Projekt www.schlampe.de sollte man per SMS Beschreibungen von Körperteilen einsenden, aus denen literarische Body-Tracks entstanden, Geschichten als Leibes- und Liebesübungen für den kollektiven Körper. Am Ende des dreistufigen transmedialen Projekts wurden die Texte in einer Live-Performance wieder dem öffentlichen Stadtraum zugeführt. Gisela Müller liefert das Gespräch zum Projekt.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/mueller.htm

Neueste älteste Leiden Werthers [Deutsch]

Spätestens mit Cervantes' Don Quijote konstituiert Literatur eine interne Selbstnegation, mit der sie ihr Publikum erst eigentlich an sich fesselt: Immer wieder warnt sie vor der pathogenen Wirkung der Lektüre, fordert dazu auf, aus den Texten heraus und ins wahre Leben zu treten. Das Wertherfieber mit seinen Selbstmorden sind Belege für das Missverstehen des Textes und das Überhören solcher Warnung. Ob neuere rechnergestützte und vernetzte Literatur diese Paradoxie erhält, diskutiert Peter Gendolla im Vergleich einiger ihrer Liebesgespräche mit jenen des älteren Mediums.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/gendolla.htm

liebe@netzliteratur? [Deutsch]

Die Ausgangsthese in Beat Suters "kleiner Werküberschau zum Thema 'Liebe in der Netzliteratur'" lautet: Digitale Literatur, die sich mit der Liebe auseinandersetzt ist so selten wie gute digitale Literatur an sich. Keiner der sechs Preisträger des Wettbewerbs literatur.digital (2001) beschäftigt sich mit der Liebe. Unter den 20 nominierten Beiträgen finden sich gerade einmal fünf, die Leibesbeziehungen zum dominierenden Thema machen. Erübrigt die Venetzung der Literatur, über die Vernetzung der Menschen zu schreiben?
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/suter.htm

160 Zeichen Liebe [Deutsch]

Wie kommuniziert man ein Gefühls im SMS-Format? Fünf Kennzeichen sind festzuhalten: Knappheit, Schriftlichkeit, Augenblicklichkeit, Privatheit, (fehlende) Objekthaftigkeit. In Praxis wie Theorie ergeben sich daraus Einschränkungen und Erweiterungen in der Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeit von Liebe, denen Alexander Roesler in seinem Beitrag nachgeht.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/roesler.htm

Beziehungskisten und Hochzeiten in Online-Spielen [Deutsch]

Die interaktive, aber überraschend konventionell erzählte Bildgeschichte Caroline online involviert den Leser in eine klassische Emanzipationsgeschichte, im Massive Multiuser Online Roleplaying Game Everquest zeigt die Hochzeit zweier Avatare fragile und ironische Entwürfe von Liebesgeschichten und -identitäten selbst dort, wo sie eigentlich nicht vorgesehen sind. Fotis Jannidis diskutiert anhand zweier Beispiele die Formen des Liebesdiskurses im Internet.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/jannidis1.htm

@create "magic glitter" - Liebesspiele im kahunaMUD [Deutsch]

Nika Bertram stellt das kahunaMUD vor, eine codierte Bühne, basierend auf ihrem Roman "Der Kahuna Modus", in dem man mit den Romanfiguren, der Autorin oder anderen LeserInnen abhängen kann oder flirten oder sich betrinken. Hier lässt sich das Turingsche "Imitationsspiel", das "Making Up" eines Gegenübers direkt erleben, immer unter dem Motto: "wenn man wirklich liebt, ist es egal, ob der andere ein Mann oder eine Frau oder ein Dreieck ist" (Karen Duve).
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/bertram.htm

Schneller Baggern [Deutsch]

Das WWW ist nebst seinem Zweck als Informationsmedium vor allem Medium des Baggerns: "Man baggert vor allem um meine Aufmerksamkeit, mein Geld, mich als Kunden, meine politische Partizipation sowie Mobilisierung, mein Mitgefühl und um mein Tanzbein. Doch wenn es dann wirklich konkret wird, bin ich trotzdem nur einer von tausend anderen Undisclosed Recipients! ..." Raphael Rogenmoser zur digitalen Partnersuche.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/rogenmoser.htm

Das Knistern zwischen den Zeilen [Deutsch]

Chat-Plattformen sind reizvolle Anbahnungsmedien nicht nur für "virtuelle" Bekanntschaften. Michael Beißwengers Beitrag skizziert ihre Inszenierungspotenziale (Pseudonymisierung, Spiel mit ganz- oder teilfiktionalen dramatis personae) sowie die sprachliche Aushandlung fiktionaler Spielwelten, die ans Stegreiftheater gemahnen.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/beisswenger.htm

surf > sample > love [Deutsch]

Kennen Sie Alice? Annette? Cara? Möchten Sie Brian, Barry oder Jabberwacky kennenlernen? Eins haben sie alle gemein - sie sind Bots, Software, die sich durch Datenhaufen wie das WWW bewegt. Sie können schreiben, flirten, kommunizieren. Aber können sie lieben? Adi Blum geht der Frage in einem kleinen Turing-Test der Liebe nach.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/blum.htm

Die Schwimmmeisterin. Hyperperformance [Deutsch]

Die Idee für ihre Hyperfiction Die Schwimmmeisterin kam Susanne Berkenheger im Dante-Bad: "Ich sah diesen Mann, den Schwimmmeister, in seinem Glaskasten. Vor sich hatte er blaue Kontroll-Bildschirme, auf denen Körper unter Wasser vorbeipaddelten. Daraus entstand die Optik: Aus der Form geratene Kacheln, die unter Wasser vor sich hinwabern. Letztendlich gibt es viele Parallelen zwischen einem Freibad und einem Chat im Netz: Viele Menschen versammeln sich an einem Ort, manchmal kommt man sich etwas zu nah und letztlich geht es immer ums anbaggern."
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/berkenheger.htm

Scroll-Back [Deutsch]

Roberto Simanowski versucht die behandelten Aspekte des Symposiums zu pointieren und weitere hinzuzufügen: Dass im Chat-Room der Text so unbekleidet dasteht wie seine Sender und Empfänger in der angenommenen virtuellen Situation, dass das Handy den Melusine-Pakt moderner Partnerschaften unterhöhlt und auch der Chat letzlich die zugrundeliegende Figuren-Inszenierung nicht erträgt und dass in der Bewegung von der ästhetischen Erfahrung der kontemplativen Rezeptionssituation bei Buch und Film zur sozialen Erfahrung des selbst erzälten Spiels die "Kulturindustrie" listig überlebt.
http://www.dichtung-digital.com/2002/modemfieber/simanowski.htm


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