Roberto Simanowski
Interfictions. Vom Schreiben im Netz
Frankfurt am Main: Edition Suhrkamp 2247: 2002
198 Seiten, 10 Euro
ISBN 3-518-12247-9

Suhrkamp

Ein Gespenst geht um in den Verlagen und Bücherstuben der abendländischen Welt, es ist das Gespenst der digitalen Literatur. Alle Kräfte des traditionellen Literatursystems haben sich zu einem heiligen Kampf gegen die Feinde der Buchkultur verschworen oder sind dabei, sich mit ihnen zu verbünden.

Die erste Botschaft des vorliegenden Bandes lautet: Von Interfictions hat das Buch nichts zu fürchten. Denn es handelt sich um Undruckbares, das mit den spezifischen Mitteln der digitalen Medien nach künstlerischem Ausdruck sucht: Als Mitschreibprojekt, das die Leser in Autoren wandelt und das Werk in einen Prozess. Als Hyperfiction, die vom Leser verlangt, sich den Text selbst zusammenzustellen, und im besten Falle den Link zwischen den Textsegmenten zum eigentlichen Text macht. Als multimediales Werk, das Wort, Bild und Ton zu einer neuen Sprache mixt.

Dieses Buch handelt nicht von Literatur, die ins Internet wandert und schließlich doch auf Papier enden will. Diese Buch handelt von 'Literatur', die im und aus dem Netz des digtalen Codes entsteht, die interaktiv und intermedial ist und die durch die verborgene Befehlssprache unter der Bildschirmoberfläche auf einem Alphabet der Inszenierung beruht, das sie undruckbar macht. Es geht um neue ästhetische Ausdrucksformen und deren 'literarisches' Feld. Kein Ersatz für das gute alte Buch, aber ein Konkurrent, so wie Kino und Fernsehen auch.

Inhalt

Vorwort
1.
Einleitung

1. Medienwandel
2. Begriffe, Merkmale, Typologie
3. Geschichte und Ausblick

2. Mitschreibprojekte

1. Kampf der Autoren
2. Ästhetik und Demokratie
3. Erinnern in der Warteschleife
4. Assoziation der Autoren
5. Interkulturelle Umschreibungen und gerissene Links
6. Horror vacui und kooperative Ästhetik

3. Hyperfiction

1. Alternativen ohne Folgen
2. Hypertext und Mißverständnisse
3. Semantik des Links
4. Verlinkung als Konzept
5. Perspektivenvielfalt
6. Russisch Hypertext

4. Multimedia

1. Die gesprochenen Dinge
2. Visualisierung
3. Spektakel und Kritik
4. Psychologie des digitalen Bildes
5. Zeit als Zeichen
6. Konkrete Poesie digital

5. Digitale Ästhetik

1. Wiedergeburt der Kunst
2. Konstellation digitaler Kunst
3. Poetologie digitaler Kunst
4. Theorie digitaler Kunst

Bibliographie

A: Werke, Online-Journale, Websites
B: Literatur (Print und Online)